#1 P. T. Barnum von Nancy 25.07.2011 18:47



Phineas Taylor Barnum wurde am 05.07.1810 in Bethel, Connecticut geboren. Er war der Sohn eines Gastwirts und Ladenbesitzers und machte als Jugendlicher ebenfalls eine Lehre in verschiedenen Einzelhandelsgeschäften. Schon früh begann er Lotterielose zu verkaufen, gründete eine Zeitung und eröffnete einen kleinen Laden. Er heiratete und seine Frau bekam eine Tochter. 1834 zogen sie nach New York. Hier fand er zunächst keine Arbeit und kam auf die Idee eine alte Frau "auszustellen", die angeblich die Amme von George Washington gewesen war. Nach ihrem Tode wurde sie allerdings obdukziert und festgestellt das sie höchstens halb so alt war wie sie vorgegeben hatte. So waren alle ihre Geschichten nur erfunden. Aber das machte nichts, das Publikum wollte nur belustigt werden. In den nächsten Jahren tingelte er mit verschiedenen Wanderzirkussen durch den Osten und Süden der USA.

1841 übernahm er das American Museum in New York und begann hier Kuriositäten aller Art auszustellen, wobei es ihm hauptsächlich auf die Seltenheit und Publikumswirksamkeit ankam. Es handelte sich nicht nur um Exponate, sondern auch um eine Show mit Menschen und Tieren. Dazu gehörten neben völkerkundlichen Ausstellungsstücken z. B. ausgestopften Vögeln, Rüstungen, einem Modell der Niagarafälle und einem von Paris, exotischen Musikinstrumenten oder Mumien auch mechanische Figuren, Tiere wie Orang-Utans und ein Python, ein Flohzirkus, ein Bauchredner und eine Wahrsagerin die aus der Hand las. Außerdem gehörten zu seiner Show auch deformierte Menschen wie Zwerge, Riesen, siamesische Zwillinge oder welche die angeblich keinen Unterkörper, keine Arme oder keinen Kopf hatten. Zwei geistig behinderte Kinder gab er als "wiederentdeckte Aztekenkinder" aus und einen ebenfalls geistig behinderten Farbigen als "Bindeglied zwischen Affe und Mensch".

Jede Sensation kündigte er publikumswirksam an. Er war ein großer PR-Mann wie man heute sagen würde. Eines seiner Exponate war die Replik des "Riesen von Cardiff", wobei sich auch das Original später als Gipsfigur herausstellte. Die Anziehungskraft auf das Publikum ging dabei aber nicht verloren, sondern er wurde gerade dadurch zum Publikumsmagneten. Das Museum hatte bis zu 15.000 Besucher pro Tag. Heute existiert es noch als Online-Museum (englisch).

1851 wurde er der Manager einer Wandermenagerie, die das Rahmenprogramm für die Tournee der schwedischen Sängerin Jenny Lind durch die USA bildete. Hier war sie vorher weitgehend unbekannt, aber binnen kürzester Zeit wimmelte es von Merchandising-Artikeln, da Barnum ein so geschickter Werbefachmann war. Nach der Tournee war er ein gemachter Mann. Deshalb entschloss er sich selbst einen Wanderzirkus zu gründen nachdem das Museum pleite gegangen war weil er sich mit Immobilien verspekuliert hatte und es außerdem zweimal abgebrannt war. 1882 hatte er den Elefanten "Jumbo" vom Londoner Zoo erworben. Dieser wurde zur Hauptattraktion des Zirkusses. Zwischen 1882 und 1885 nahm er auf seinen Tourneen durch die USA und Kanada über 1,5 Millionen Dollar ein. 1885 fusionierte er mit dem Schausteller James A. Bailey zum Zirkus "Barnum and Bailey", der unter diesem Namen heute noch einer der berühmtesten aktiven Zirkusse der Welt ist. Da sie die Tiere ihrer Menagerie wie Ausstellungsstücke behandelten bekamen sie Ärger mit dem Tierschutzverein. Dies hatte einen jahrelangen Rechtsstreit zur Folge.

Barnum war allerdings auch auf politischem und sozialen Gebiet aktiv. Zweimal gehörte er zum Repräsentantenhaus von Connecticut, nämlich 1865/66 und 1877 - 1879. Außerdem investierte er viel Geld in Forschungsprojekte. Viele der Exponate seiner Sammlung dienten auch nicht nur als Publikumsmagnete sondern auch der Forschung und Veranschaulichung. Deshalb stiftete er dem Tufts College in Medford, Massachussetts das "Museum of National History", in welchem auch bis zu einem Brand 1975 der Elefant "Jumbo" ausgestellt war. Barnum setzte sich auch gegen die Sklaverei und Alkoholismus ein. Ihm ist das Musical "Barnum" gewidmet und der Philosoph Ralph Waldo Emerson nahm ihn als Beispiel für alles Schlechte der USA, weshalb der Barnumeffekt nach ihm benannt wurde.

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen